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Die Trauer vor dem eigentlichen Verlust

8. Okt.
3 Min. Lesezeit

Die Diagnose einer schweren Krankheit oder das älter werden deines Tieres… Es ist nicht ungewöhnlich, dass sich bereits vor dem eigentlichen Verlust des geliebten Tieres Trauer zeigt, wenn ein Abschied absehbar ist.



Viele sind verunsichert oder fragen sich ob das, was sie fühlen „richtig“ ist. Schliesslich ist das Tier ja noch da. Es sind Gefühle und Gedanken, mit denen wir nicht so recht umzugehen wissen. Vielleicht ist da auch Angst, was kommen wird; Angst vor dem Abschied und die Angst, das eigene Leben vermutlich bald ohne das Haustier weiterführen zu müssen. Vielleicht ist da auch Wut oder Hilflosigkeit.


Der Zwiespalt zwischen diesen Gefühlen und dem gleichzeitigen Wunsch, die verbleibende Zeit miteinander noch bewusst zu geniessen, kann unglaublich schwer sein.


Wenn die Trauer schon vor dem Abschied beginnt

Diese Art von Trauer hat einen Namen: Antizipatorische Trauer – sie bezeichnet den Schmerz und die Trauerprozesse, die bereits vor dem tatsächlichen Verlust eins nahestehenden Lebewesens einsetzen. Diese Art der Trauer kann sehr intensiv sein. Forschungen zeigen, dass sie genauso tief und bedeutsam sein kann wie die Trauer nach einem tatsächlichen Verlust [Noyes].


Auch die Symptome ähneln einer Trauer nach einem Verlust. Emotionale Traurigkeit, Rückzug aus dem sozialen Leben aber auch körperliche Symptome wie Schlafstörungen oder Appetitlosigkeit sind für die Antizipatorische Trauer normal.


Die Ungewissheit darüber, wann der Verlust eintreten wird, kann besonders schwer zu tragen sein. Zwischen Hoffnung und Sorge entsteht ein Zustand des Wartens, der einen emotional ständig in Anspannung hält. Bei einem Tier kommt häufig noch eine weitere belastende Frage hinzu: Wann ist der Zeitpunkt gekommen, an dem ich mein Tier gehen lassen muss? Die Angst, diesen Moment zu früh oder zu spät zu wählen und damit womöglich eine falsche Entscheidung zu treffen, kann zusätzlich sehr belastend sein. Diese dauerhafte Anspannung kann viel Kraft kosten und sich sowohl auf das seelische als auch auf das körperliche Wohlbefinden auswirken.

 

Was hilft?

Gefühle zulassen

Es darf beides da sein: die Trauer über das, was vielleicht bald verloren geht, und die Freude an der gemeinsamen Zeit, die noch bleibt. Vielleicht gibt es Momente, in denen du weinen musst, und kurz darauf geniesst du einen schönen Spaziergang, ein gemeinsames Kuscheln oder einfach die Nähe zu deinem Tier. Das eine schliesst das andere nicht aus. Du musst dich für deine Gefühle nicht rechtfertigen und auch nicht versuchen, die eine Art von Gefühlen zu verdrängen.


Die gemeinsame Zeit bewusst wahrnehmen

Vielleicht möchtest du die verbleibende Zeit ganz bewusst mit deinem Tier verbringen und ihm noch einmal besonders viel Nähe, Aufmerksamkeit und schöne Momente schenken. Verwöhne dein Tier, wenn es sich für euch beide gut anfühlt. Gleichzeitig darfst du dir den Druck nehmen, aus dieser Zeit etwas ganz Besonderes machen zu müssen. Es muss nicht jeder Tag voller schöner Erlebnisse sein. Manchmal ist es auch genug, einfach gemeinsam da zu sein.


Unterstützung annehmen

Du musst diese Zeit nicht alleine bewältigen. Es kann entlastend sein, dich bereits jetzt mit Fachpersonen oder Menschen auszutauschen, denen du vertraust. Auch ein Gespräch mit deiner Tierärztin oder deinem Tierarzt kann helfen, wenn du Fragen zur Erkrankung, zur weiteren Entwicklung oder zum möglichen Abschied hast.

 

Was kann diese Zeit bedeuten?

Antizipatorische Trauer kann uns auf eine gewisse Weise auf den bevorstehenden Abschied vorbereiten. Sie nimmt den Schmerz nicht vorweg und macht den späteren Verlust nicht leichter. Aber sie kann eine Möglichkeit schaffen, um sich mit dem Gedanken an das Kommende auseinanderzusetzen und sich langsam darauf einzustellen.


Vielleicht hilft dir diese Zeit auch dabei, dich mit Fragen zu beschäftigen, die im entscheidenden Moment sehr schwer sein können: Was ist meinem Tier wichtig? Woran erkenne ich, dass seine Lebensqualität nicht mehr gut ist? Welche Entscheidungen möchte ich treffen, wenn es ihm schlechter geht? Und was wünsche ich mir für den Abschied?


Manche Entscheidungen lassen sich bereits im Voraus besprechen und vorbereiten. So musst du in einer emotional sehr belastenden Situation nicht alles zum ersten Mal durchdenken.

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