Wenn die Trauer um das Tier nicht ernst genommen wird
Du hast gerade dein Tier verloren – deinen treusten Gefährten, ein Familienmitglied, das du genauso liebst wie deine zweibeinigen Angehörigen. Deine Welt steht plötzlich still. Der Schmerz sitzt so tief, dass du das Gefühl hast, kaum atmen zu können. Wenn du morgens aufwachst, spürst du als Erstes dieses beklemmende Gefühl in der Brust und innerhalb weniger Sekunden holt dich die Realität wieder ein.
Und dann triffst du vielleicht nicht überall auf Verständnis von deinem Umfeld. Sätze wie «Das wird schon wieder», «Hol dir doch einen neuen Hund» oder sogar «Es war doch nur eine Katze» können in einer ohnehin schweren Zeit besonders verletzend sein. Nicht jeder Mensch hat selbst die Erfahrung gemacht, wie tief die Bindung zu einem Tier sein kann. Fehlt zusätzlich die Bereitschaft oder die Fähigkeit, sich in die Gefühle anderer hineinzuversetzen, fällt es oft schwer, dir als trauernde/n Tierhalter/in mit Verständnis zu begegnen und die Intensität dieser Trauer nachzuvollziehen.

Gut gemeint ist nicht immer hilfreich
Verletzende Aussagen entstehen aus ganz unterschiedlichen Gründen. Manche Menschen können sich schlicht nicht vorstellen, wie eng die Verbindung zwischen Mensch und Tier sein kann. Andere möchten Trost spenden und versuchen, den Schmerz möglichst schnell zu lindern, «wegzutrösten» so zu sagen – oft, weil sie selbst nicht wissen, wie sie mit Trauer umgehen sollen.
Der Umgang mit Tod und Verlust fällt vielen Menschen schwer. Selbst wenn wir einen nahestehenden Menschen verlieren, herrscht oft Unsicherheit darüber, was man sagen oder tun soll. In solchen Momenten werden gut gemeinte Ratschläge manchmal vorschnell ausgesprochen. Die Absicht dahinter mag gut sein, dennoch können diese Worte verletzen und das Gefühl vermitteln, mit der eigenen Trauer nicht ernst genommen zu werden.
Du bist niemandem eine Erklärung schuldig
Unabhängig davon, wie dein Umfeld auf deinen Verlust reagiert, gilt eines: Du musst deine Trauer weder erklären noch rechtfertigen.
Jeder Mensch trauert anders, und jede Beziehung zu einem Tier ist einzigartig. Deine Gefühle sind berechtigt und dürfen so sein, wie sie sind.
Wenn du das Bedürfnis hast, über deinen Verlust zu sprechen, suche den Austausch mit Menschen, die dir verständnisvoll begegnen. Das können Personen sein, die selbst ein Tier verloren haben oder Menschen, die bereit sind, dir aufmerksam zuzuhören und deine Gefühle ernst zu nehmen.
Du bist mit deiner Trauer nicht allein
Besonders schmerzhaft kann es sein, wenn du das Gefühl hast, mit deiner Trauer allein zu sein. Vielleicht ziehst du dich zurück, weil du Angst hast, auf Unverständnis zu stossen oder deine Gefühle rechtfertigen zu müssen. Gerade dann kann es helfen, den Kontakt zu Menschen zu suchen, die deine Trauer ernst nehmen und dir zuhören. Du musst diesen Weg nicht alleine gehen.
Trauer im Arbeitsleben
Beim Verlust eines nahestehenden Menschen sehen viele Arbeitsverhältnisse besondere Regelungen oder Urlaubstage vor. Für den Verlust eines Tieres gibt es in der Regel keine vergleichbaren Bestimmungen. Das bedeutet jedoch nicht, dass deine Trauer weniger bedeutend ist.
Wenn du merkst, dass du Unterstützung brauchst, kann ein offenes Gespräch mit deinem Arbeitgeber oder deinen Arbeitskolleginnen und Arbeitskollegen hilfreich sein. Erkläre, was dir im Moment guttut und was du dir wünschst. Vielleicht möchtest du nicht auf den Verlust angesprochen werden. Vielleicht hilft es dir aber auch, wenn dein Umfeld Verständnis zeigt und nachfragt. Deine Wünsche zu äussern, hilft nicht nur dir, sondern erleichtert auch für deine Arbeitskolleg/innen den Umgang mit der Situation.
Falls du das Gefühl hast, einen freien Tag oder eine andere Entlastung zu benötigen, sprich offen darüber und überlege gemeinsam mit deinem Arbeitgeber, welche Möglichkeiten bestehen.
Zur Unterstützung haben wir für dich einen Leitfaden für das Gespräch mit dem Arbeitgeber erstellt, der dir kostenlos auf unserer Website zur Verfügung steht.


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