Weshalb fühle ich mich schuldig?
- Gabriela Burri
- 29. Juli
- 3 Min. Lesezeit
Es sind Gedanken, die zermürbend sein können. Gedanken, die den Schmerz, den wir beim Verlust unseres geliebten Tieres ohnehin schon spüren, noch verstärken. Es sind Gefühle, die uns durcheinanderbringen, verzweifeln lassen und überfordern.

Schuldgefühle. Ein Wort – ein Gefühl, das so unglaublich schmerzvoll ist und so viel Raum beansprucht.
Alleine die Tatsache, dass wir einem andern Lebewesen das Leben beendet haben, lässt uns oft schuldig fühlen. Die wenigsten Menschen möchten über Leben und Tod eines andern entscheiden. Liebe möchte erhalten, und nicht vernichten.
Hinzukommen Gedanken wie «Hätte ich doch nur mehr Zeit mit meinem Tier verbracht», «Hätte ich es früher erlösen müssen?», «Hätte ich noch etwas anderes versuchen können?», oder auch «Wäre ich doch nur dabei gewesen, als es gegangen ist». Solche Selbstvorwürfe und Fragen setzen sich in unserem Kopf fest und kreisen – ohne dass wir je eine Antwort darauf finden können.
Schuldgefühle helfen uns nicht, die Vergangenheit oder die Situation zu ändern. Sie sind auch in keiner anderen Weise hilfreich für uns oder unsere Trauerverarbeitung.
Wie entstehen Schuldgefühle und was können wir dagegen tun?
Einfach gesagt: Schuldgefühle entstehen, wenn wir das Gefühl haben, unseren eigenen Werten, unseren moralischen Ansprüchen oder unseren eigenen Erwartungen nicht gerecht geworden zu sein. Das kann bei jeder Person ganz unterschiedlich aussehen.
Der erste Schritt ist, wahrzunehmen, welche Gedanken dich belasten, und zu erkennen, dass es sich dabei um Schuldgefühle handelt. Im zweiten Schritt geht es darum, diese Gefühle anzunehmen. Lass sie einfach da sein, ohne sie zu bewerten oder in «richtig» oder «falsch» einzuteilen. Versuche, sie möglichst neutral zu beobachten.
Der nächste Schritt besteht darin, das Grübeln loszulassen. Schuld kann sich sehr real anfühlen, bedeutet aber nicht automatisch, dass du tatsächlich Schuld trägst. Unsere Gedanken erzählen uns in belastenden Situationen oft Geschichten, die wir für wahr halten, obwohl sie es nicht zwingend sind.
Vielleicht hilft es dir, deine Gedanken aufzuschreiben – zum Beispiel in Form eines Briefes an dein verstorbenes Tier oder in einem Tagebuch. Vielleicht möchtest du deine Gefühle aber auch mit einem vertrauten Menschen teilen. Gedanken auszusprechen oder aufzuschreiben kann entlasten und dabei helfen, diese plagenden Gedanken und Schuldgefühle Schritt für Schritt loszulassen.

Ein weiterer Gedanke, der dir helfen kann
Ziemlich sicher hast du zu jedem Zeitpunkt nur das Beste für dein Tier gewollt und immer nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt. Und das ist das einzige, was zählt. Ob wir im Nachhinein anders entschieden hätten, lässt sich immer einfacher beurteilen, als es im jeweiligen Moment möglich war. Denn im Voraus fehlen uns schlichtweg die Erfahrungen und das Wissen, die wir erst später haben.
Wenn du dir nochmals die Frage vom Anfang stellst – was sind deine Werte, deine moralischen Ansprüche und deine Erwartungen – erkennst du vielleicht, dass du damals mit dem Wissen und den Möglichkeiten entschieden hast, die dir in diesem Moment zur Verfügung standen, und dass du die Vergangenheit nicht ändern kannst – wohl aber den liebevollen Blick auf dich selbst.
Als Zusammenfassung oder Checkliste zu deiner Unterstützung:
Akzeptiere, dass Schuldgefühle nicht automatisch bedeuten, dass du etwas falsch gemacht hast. Nach dem Tod eines Hundes sucht unser Gehirn oft nach einer Erklärung und verwechselt Trauer mit Schuld.
Beurteile deine Entscheidung mit dem Wissen von damals. Frage dich, ob du mit den Informationen und Möglichkeiten gehandelt hast, die dir zu diesem Zeitpunkt zur Verfügung standen.
Erinnere dich an deine Absicht. Die Entscheidung zur Einschläferung entsteht in den allermeisten Fällen aus Liebe und dem Wunsch, weiteres Leiden zu verhindern.
Lass «Was wäre wenn?»-Gedanken los. Richte deinen Blick stattdessen auf die tatsächlichen Umstände und darauf, weshalb du deine Entscheidung getroffen hast.
Erlaube dir zu trauern, ohne dich selbst zu bestrafen. Schuldgefühle sind kein Zeichen von mehr Liebe – sie verlängern oft nur den Schmerz.
Sprich über deine Gedanken. Ein offenes Gespräch mit einer vertrauten Person kann helfen, Schuldgefühle realistischer einzuordnen und loszulassen.
Denke an euer gemeinsames Leben – nicht nur an den letzten Tag. Die vielen Jahre voller Liebe, Fürsorge und gemeinsamer Erinnerungen prägen eure Beziehung weit mehr als die letzten Stunden.

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